Willi Freter – Großer Mann & Große Legende

Heute möchte ich mal von einem Mann erzählen, der in meiner Geburtsstadt Heiligenhafen lebte.

Nein, er lebte nicht nur dort, er war sozusagen Heiligenhafen. Ich kann nicht für 100 %ige Richtigkeit der Zeitangaben in diesem Artikel garantieren. Auch war es nicht leicht, überhaupt Informationen online über Kapitän Freter zu finden. Es gibt lediglich in der Google Suche einige alte Ansichtskarten-Fotos von seinen Schiffen. Also stammt das meiste in diesem Artikel aus meinen Gesprächen mit dem Kapitän und mit Freunden & Angestellten des Kapitäns. Wie ich dazu kam folgt später.

Kapitän Freter war ein Heiligenhafener Bürger, der beim Bau der Fehmarnsund-Brücke auf eine findige Idee kam. Er vermietete Boote an die dort tätigen Firmen. Zusätzlich schipperte er Touristen und Interessierte in einem alten Flugsicherungsboot zur Baustelle der Brücke. Dort konnte man alles bestaunen und Fotos machen. Natürlich ließ er sich das bezahlen und es war bei einer Bauzeit von gut fünf Jahren eine gute Einnahmequelle.

Aus diesem kleinen Unternehmen entstand letztlich die Reederei Freter, welche später zur größten Seetouristikflotte der westlichen Ostsee wurde. Dann kamen die Butterfahrten (durch den zollfreien Einkauf von u.a. Butter so benannt) ins Spiel und brachten ihm ein Vermögen ein.

Willi Freter drückte gerne mal einem Taxifahrer 100 DM in die Hand und sagte „Hier, kauf deiner Familie mal was gutes zu Essen“ (erzählte mir mal ein Taxifahrer, der den Kapitän oft gefahren hat), er baute eine komplette Sportanlage in Heiligenhafen inkl. Fußballplatz mit Kunstrasen, spendete jährlich einen Krankenwagen an den Arbeiter-Samariter-Bund, und als mal über 70 Angeltouristen in Heiligenhafen eingeschneit waren (glaube es war die Schneekatastrophe 1978/79), mietete er im dortigen Ferienzentrum (heute Ferienpark) für alle auf seine Kosten Appartements an. Das um nur einige Taten seiner Gutherzigkeit zu nennen. Er ließ Heiligenhafen an seinem Erfolg teilhaben und prägte somit nicht nur das Stadtbild sondern machte Heiligenhafen zu dem, was es heute ist. Nämlich ein wunderschöner Urlaubsort an der Küste Ostholsteins.

Ich kann mich noch gut an damals erinnern. Es war immer ein kleines Abenteuer, so eine Butterfahrt. Es gab zu Naschen, es gab leckere Erbsensuppe mit Plastikteller und Plastiklöffel und man konnte bei Seegang zusehen, wie der Ein oder Andere nach dem Essen die Fische „füttern“ ging.

Anfang der 80er Jahre wurde das Pflaster immer härter und die Reederei kam in finanzielle Schwierigkeiten, was letztlich zum Verkauf der Reederei führte. Der Betrieb wurde zwar von anderen Reedereien weitergeführt, aber es war nie wieder das Selbe.

Es wurde still um Kapitän Freter. Ich wurde erwachsen, erlernte meinen Beruf und arbeitete in einem Alten-Pflegeheim an der Ostsee. Dort lebte Kapitän Freter und ich lernte ihn zum ersten mal persönlich kennen. Auch ein ehemaliger Zahlmeister, der früher auf seinen Schiffen arbeitete, lebte dort. So erfuhr ich immer mehr über den alten Kapitän und seine Geschichte. Ich kann leider nicht alles das erzählen, was ich gerne würde. Denn auch wenn ich lange nicht mehr dort arbeite und der Kapitän schon lange verstorben ist, ist mir die Schweigepflicht noch immer wichtig. Nun, es war den Bürgern Heiligenhafens bekannt, dass Kapitän Freter dort lebte. Besuch bekam er allerdings kaum.

Er war er so schwer erkrankt, dass er im Rollstuhl sitzen musste. Dieses Vergessen eines solchen Mannes konnte der Zahlmeister a.D. nicht dulden und schrieb lange Artikel über Kapitän Freter, die er an verschiedene lokale Tageszeitungen verschickte. Eine hat dann eine Geschichte veröffentlicht.

Von dem Tage an bekam Kapitän Freter wieder Besuch. Vermutlich mussten die Bürger erst wieder erinnert werden an den Mann und seine Taten.

Einmal reiste sogar eine Musikkapelle aus dem Süden Deutschlands an, die früher auf seinen Schiffen spielte und brachte ein Privatkonzert für den Kapitän und alle Bewohner des Heimes. Dem Kapitän kamen die Tränen.

Eines Tages wollten ihn alte Freunde gerne mit an den Hafen nehmen. In sein altes Revier, sein Zuhause. Wir wollten die Chance nutzen und holten den dunkelblauen Anzug aus dem Kleiderschrank der schon Jahre dort hing. Nahmen ihn aus der Schutzhülle, ein feiner Stoff. Dazu seine Krawatte in den Farben seiner Reederei, mit eingesticktem Wappen … und alles passte noch. Er sah wirklich klasse aus und er war so unglaublich stolz mit Tränen in den Augen, das werde ich nie vergessen.

Nach alter Gewohnheit steckte er sich seine Brieftasche und ein paar alte Kontoauszüge in seine Innentasche. Jetzt war er bereit.

Seine Freunde berichteten später, es soll am Hafen einen Auflauf gegeben haben. Ich wäre so gern dabei gewesen. Da hat ein toller Mensch noch einmal einen wunderschönen Tag verbringen können.

Ich muss auch heute noch manchmal an ihn denken, an seinen Humor, wie er sein Schicksal ertrug etc.

Kapitän Freter wurde kurz darauf in ein anderes Heim verlegt. Über die Gründe darf ich leider nichts sagen. Ich habe nie mehr etwas von ihm gehört. Aber Heiligenhafen besann sich und benannte den Festplatz am Hafen nach ihm. Er besteht weiter als Kapitän-Willi-Freter-Platz.

Danke Willi, dass ich Dich kennenlernen durfte.

2 Antworten

  1. Claus Uwe Jüntgen sagt:

    Was für ein Artikel!!! ich bin 1978 das erste Mal in Heiligen hafen gewesen, Angeltouren mit der größten Flotte an der gesmten Ostsee und Kapitän Willi Freters Butterfrahrten. Wir waren in der Wohnung in Howacht untergebracht und von dort worde man mit einen Charterbus kostenlos abgeholt, später kostete es 10 und ein paar Jahre später 20 Pfennige. Mehr als einmal ging es um 10,00 Uhr aufs Schiff gen Rödby wieder zurück nach Heigenhafen undgleich wieder los mit dem Mittagsschiff und zu guter letzt auf zur Lampinon fahrt. Es war eine Traumhafte Zeit. Die ich nie vergessen werde. Vielleicht bekomme ich von dem Autor des Artikels mal eine Antwort.

    • Hallo Claus, herzlichen Dank für das nette Lob. Es freut mich, dass dir mein Text gefallen hat. Mir geht es wie dir. Die Butterfahrten sind eine fantastische Erinnerung an meine Kindheit. Wir sind eigtl. fast jedes Wochenende gefahren. Ich erinnere mich an die Erbsensuppe aus Plastiktellern mit Plastiklöffel 🙂

      Schön, einen Kommentar von jemandem zu bekommen, der das auch erlebt hat. Vielen Dank dafür & lieben Gruß aus dem Norden.

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