Pandemie-Gedanken

Bleibt Gesund Freunde

Nun ist der Blogbeitrag von Thalestria schon seit einem Monat draußen und ich habe noch immer nicht meine versprochene Stellungnahme dazu raus gehauen. Nun, dann will ich das heute endlich mal nachholen.

Es geht um ihren Beitrag „Und nochmal Pandemie – Wenn die Nacht am tiefsten ist ….“ Nachdem ich den Text gelesen hatte, musste ich erstmal stark in mich rein horchen und überlegen ob es mir vielleicht ähnlich geht. Bin letztlich aber zu dem Schluss gekommen, dass die Sachlage bei mir persönlich doch etwas anders ist. Dennoch nicht ohne Folgen.

Der „Lockdown“ beeinflusst mich in direkter Weise überhaupt nicht. Einige wissen ja, dass ich neben meinen Depressionen und der Essstörung auch eine ausgeprägte Sozialphobie habe und nicht Haus bzw. Grundstück verlasse wenn es nicht unbedingt sein muss wie z.B. Amtstermine. Von daher bedrückt und beeinträchtigt mich die Situation in keiner Weise. Ich glaube, da habe ich einigen Menschen gegenüber einen kleinen Vorteil. Es soll aber auch nicht bedeuten, dass ich da keine Probleme mit habe. Die Auswirkungen der Phobie belasten mich schon, schließlich hat jeder Mensch Bedürfnisse, die ich mir dadurch nicht erfüllen kann. Aber durch Pandemie und „Lockdown“ ist es zumindest nicht schlimmer geworden.

Es gibt aber durchaus indirekte Folgen für mich. Denn die Situation ist für meine Familie nicht wirklich toll. Zum Einen meine Tochter. Zum zweiten Mal seit Pandemiebeginn wurde ihr, wie auch allen Schülern, ihr komplettes physisches Leben genommen. Alles was das Leben eines Teenagers ausmacht und was ihm wichtig ist, ist weg. Physischer Kontakt zu Freunden, Unternehmungen mit Selbigen und auch die letzte Instanz der physischen Kontaktaufnahme, die Schule.

Meine Tochter kommt damit nur schwer zurecht. Ich merke die Auswirkungen bei ihr und nicht zuletzt mache ich mir viele Gedanken und Sorgen ob sie das alles spurlos verkraften wird. Sie hat leider keine leichte Zeit hinter sich und ist dadurch auch vorbelastet, was aber hier jetzt nicht Thema werden soll. Und genau diese Sorgen wirken sich dann auch bei mir extrem aus. Schlaflosigkeit und Verstärkung der Depression um nur zwei zu nennen. Dies hat u.A. die Folge, dass ich Kraft, die ich für den Kampf gegen meine Krankheiten und für meine Gewichtsabnahme brauche, einfach nicht mehr ausreichend habe. Trotzallem nehme ich aber täglich erneut den Kampf auf und stelle mich den Schatten.

Thalestria schreibt in ihrem Beitrag über die Auswirkungen der Pandemie auf Psyche und Physis und deren Zusammenhang. Dies ist bei langwierigen extremen psychischen Belastungen wie wir sie nun alle mit dieser Pandemie erleben eine logische Folge. Ich bin fest der Meinung, dass es sehr vielen Menschen so oder ähnlich ergeht wie Thalestria. Die Folgen des „Lockdowns“, die täglichen meist nicht tollen Nachrichten, Fehlentscheidungen von Regierungsvertretern, die täglichen Werte von Neuinfizierten und Verstorbenen, immer neue Mutationen des SARS-CoV-2, die Angst vor einer Ansteckung, Zukunftsangst und vor allem auch die Querdenker etc. All das hat Auswirkungen auf uns.

So trifft jeden Menschen die Auswirkung der Situation anders, aber jeder hat mit den Folgen zu kämpfen. Einigen gelingt dies besser, Anderen nicht so gut. Daher dürfen wir nicht mit Sprüchen wie „Stell dich nicht so an“ um uns werfen. Unter Umständen verletzt man damit sehr. Seid solidarisch, seid umsichtig und seid verständnisvoll.

Ich vermute, ein kleines Problem ist, dass viele unbedingt an dem Leben festhalten wie es vor der Pandemie war. Das ist aber nicht mehr möglich. Es wird in diesem Jahr nicht so sein und im nächsten Jahr ganz sicher auch noch nicht. Und ob es jemals wieder so wird, kann man auch trotz der Impfstoffe noch lange nicht mit Sicherheit sagen. Das Festhalten an etwas was nicht mehr möglich ist, zermürbt einen Menschen. Daher ist es wirklich sinnvoll sich auf die Suche nach Neuem zu machen. Seine Bedürfnisse anders zu befriedigen oder anzupassen, Pandemie-Konform zu leben, aber trotzdem in einer Art und Weise die einem gut tut. Ich weiß, das ist leichter gesagt als getan. Einen goldenen Weg dafür gibt es leider nicht da wir alle Individuen sind und jeder seine eigenen Bedürfnisse hat. So muss auch jeder für sich seinen goldenen Weg finden. Sucht auch Wege, Druck abzubauen der sich gerade in der „Lockdown“-Zeit ansammelt, damit er sich nicht unkontrolliert entlädt und man ggf. liebe Menschen verletzt. Sei es nun psychisch oder physisch. Glaubt mir, mit Sport kann man viel erreichen. Und ich rede da nicht von stundenlanger Gymnastik oder so. Ein Boxsack und ein Paar Handschuhe wirken wirklich Wunder um inneren Druck / Frust / Wut abzulassen und abzubauen. Klebt euch meinetwegen den Trump auf den Bockssack, das funktioniert.

Natürlich ist auch hier zu beachten, dass jede Jeck verschieden ist. Aber es gibt sehr viele Alternativen.

Ich weiß nun gar nicht so recht ob ich das Thema von Thalestrias Beitrag hier so getroffen habe. Bin kein großer Schreiber und gedanklich bin ich derzeit doch sehr abgelenkt weswegen ich mich nicht so auf diesen Text einlassen konnte, wie ich es gerne gehabt hätte.

Unterm Strich bleibt einfach nur zu sagen, dass wir jetzt in einer anderen Zeit und in einem anderen Leben leben. Versucht nicht krampfhaft an dem festzuhalten was nicht mehr sein kann sondern sucht nach neuen Feldern. Das ist schwer und scheint für manche Menschen kaum möglich. Mensch ist ein Gewohnheitstier. Aber es funktioniert um in unserer neuen Zeit zurecht zu kommen.

Bleibt stark, bleibt tapfer und bleibt vor allem gesund !!

1 Antwort

  1. Thalestria sagt:

    Lieber Rio,

    danke für Deinen Beitrag, der sich ja direkt auf meinen eigenen Blogpost bezieht. Ich finde, dass Du da einen ganz wichtigen Aspekt ansprichst, nämlich den, nicht an Altem festzuhalten. Ich glaube, das ist eine der wichtigen Lektionen, die wir alle durch das Virus lernen können, flexibel zu sein und zu bleiben, nicht festhalten an dem bisherigen, sondern annehmen und anerkennen, dass die Dinge nun mal anders sind und damit zu leben lernen.
    Das kann man dann auch getrost auf eine andere große Herausforderung unserer Zeit ausweiten, nämlich auf die Klimakathastrophe. Hier wie da scheinen Menschen sich schwer damit zu tun, Ihr Leben zu verändern, den neuen Gegebenheiten anzupassen. Aber wenn wir es nicht tun, wird die Natur das für uns erledigen, wie wir nun alle feststellen können.
    Meine Hoffnung ist, dass durch die Erfahrung der Pandemie diese Erkenntnis langsam in die Menschen einsickert und am Ende vielleicht genau dadurch größere, wichtige und lange überfällige Entscheidungen und Veränderungen möglich werden. Es wäre nicht das erste mal, dass eine Pandemie Motor einer neuen Entwicklung wäre.

    Liebe Grüße
    Thalestria

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